22.07.2014

22.07.2014  Milano

Warm, mäßig bewölkt 25 Grad

Der Morgen beginnt früh mit… ja, genau, einem Hahnenschrei! Und noch weiteren, die nur durch Regen unterbrochen werden. So viel Pech auf einmal? Nein, gegen 8 Uhr ist es mit dem Regen vorbei, jetzt geht es darum die weitere Strategie zu entwickeln. Können wir bleiben um Mailand anzuschauen? Fahren wir Richtung Bergamo und dann von dort mit dem Zug nach Mailand? Lassen wir das alles bleiben und düsen Richtung Gardasee? Es dauert bis nach 9 Uhr, bis wir die Hausherrin auftreiben und sie das O.k. für eine weitere Nacht gibt (im Stress  gestern habe ich nur für 1 Nacht gesagt). Erlöst und voller Vorfreude gehen wir 10 Minuten bis zur Straßenbahn Endstation der Linie 24 und fahren mit ihr bis zum Domplatz! Zweimal um die Ecke und die Außenansicht überwältigt uns und zieht uns in ihren Bann.

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Allen Vorsätzen zum Trotz, zuerst einmal zu frühstücken, gehen wir zum Eingang und sind auch schon drinnen. Weil wir völlig unvorbereitet sind (keine Info/Reiseführer…), leihen wir einen Audioguide und begeben uns auf Entdeckungstour. Der Marmorboden beeindruckt mich sofort – so schöne Muster und Kontraste! Gleich zu Beginn werden wir zu einer eigenwilligen Sonnenuhr geleitet, die über ein Loch in einem Glasfenster und eine Messinglinie, funktioniert. Viele Glasfenster mit unterschiedlichsten Motiven und Geschichten aller möglicher Heiliger beeindrucken, am Schönsten sind aber die drei riesigen Fenster in der Apsis. Das Triptychon (Altes Testament – Apokalypse-Neues Testament) besteht aus hunderten Einzelteilen. Auch die Seitenaltäre von verschiedenen Meistern und aus mehreren Schaffensperioden, sowie ein Bronzekandelaber (den wir leider nur von weitem sehen können, weil der Altarbereich nicht zugänglich ist), lassen uns staunen. Wolf findet die 20m hohen Säulen nicht beeindruckend (er hat in Chartres schon höhere gesehen!), ich schon! Die Krypta ist einmal mehr ein Gruselkabinett mit Gebeinen ehemaliger Erzbischöfe und Ähnlichem. Wer hat gewusst, dass in dem Kreuz, oben in dem Dach der Apsis, eine besondere Reliquie eingelagert sein soll? Ein Nagel vom Kreuze Jesu in einem Glasbehältnis! Tssss! Jedenfalls wird uns vom Guide auch erklärt, dass die Fassade aus mehreren Stilen besteht, der lombardischen Gotik (unter Einfluss rheinischer und böhmischer Stile), der Renaissance und mit barocken Elementen. Der Bau an der Stelle der Basilika hat ja auch über 3 Jahrhunderte gedauert! Danach, doch noch Frühstück/Jause und weiter über die Via Dante Richtung Fortress Sporcesco.

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Durch den anschließenden Park zum Triumpfbogen und weiter zur Kirche S. Maria de la Grazie. Wofür ist diese bekannt? Dafür, dass im dazugehörigen Kloster Leonardo Da Vincis „Letztes Abendmahl“ im Refektorium zu sehen ist. Leider sind alle Besuchszeiten heute schon ausgebucht, also bleiben uns „nur“ Tizian und Caravaggio in der Kirche. Der Rundgang führt uns auch über den ehemaligen Marktplatz mit Haupthaus (wurde zu Maria Theresias Zeiten aufgestockt) und angrenzenden Palazzi. Die Enttäuschung des Tages (außer den Preisen in den Boutiquen) war die Scala – unscheinbar und farblos, nur der Platz macht etwas her. Leider haben wir keinen Einblick in das Innere bekommen, irgendwo muss der Glanz doch versteckt sein! Zum Abschluss der 11 stündigen Stadtbesichtigung (incl. Straßenbahn), gönnen wir uns Bier und Aperol. Die vielen Eindrücke müssen im Schlaf verarbeitet werden, das Glaserl Rotwein als Betthupferl wird helfen J

Ein Gedanke zu „22.07.2014

  1. Georg

    Um das gestrige Lied mit einem Teil fortzusetzen: “…wenn im Tale die Hähne kräh’n”. Die folgende ‘Entdeckungstour habt ihr euch redlich verdient! So ein Marmorboden will auch erst einmal verlegt werden! Na ja, und wer in Chartres war, sah viel höhere Säulen als hier ( Wo ist die höchste im ganzen Land?). Jedenfalls wird offenkundig, dass euch dieses Bauwerk ziemlich beeindruckt hat.
    Santa Maria delle Grazie: Angreifen hätts es eh nicht dürfen das “Letzte Abendmahl”, und außerdem kann man nicht alles haben…, drohen doch Endzeit und mögliche schwarze Löcher, die ohnehin alles verändern we(ü)rden. Mein Gott, die Preise: Milano hat einen Ruf zu verteidigen!
    Die Scala freilich ist innen der Wiener Staatsoper ganz ähnlich, und zwar jener “Fassung” vor dem verheerenden Bombenangriff vom 12.März 1945; schade, wäre die Besichtigung wert gewesen.
    Den Abschluss des Tages habt ihr euch wieder redlich verdient, ‘Denn Bier und auch Aperol
    Tun dem Schlaferl sicher wohl,
    Und als Zugab’ muss dann sein
    Ein gutes Glaserl Römer-Wein!

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