22.08.2014

22.08.2014   Inprugg – Gerasdorf bei Wien/Kapellerfeld

Wechselnd bewölkt, 21 Grad     4 ½ Stunden

Am Morgen werden wir vom mittlerweile gewohnten Tröpfeln auf Davids Dach geweckt. Das kann doch nicht wahr sein! Wir beschließen trotzdem alles reisefertig zu machen – das letzte Mal!

Um 8 Uhr 30 kommt die Bäckerin mit dem Auto und  bringt uns frisches Gebäck. Bis wir reisefertig sind hört es auch schon wieder auf zu regnen. Gerade als ich zahlen gehen will, kommt noch eine Reporterin von den NÖN und mit ihr der Campingplatzbesitzer Herr Josef Fischer. Wir machen zusammen ein paar Fotos am Stellplatz und ich beantworte Fragen zur Reise. Nach der Abrechnung darf ich mit dem Gespann sogar durch den Innenhof des über 700 Jahre alten Finsterhofes fahren. Im Hof wird nochmals gestoppt und emsig fotografiert. Danach verlassen wir den schönsten Campingplatz von Niederösterreich und fahren in Richtung Heimat.

P1110142 (2)

Durch das Tullnerfeld fahren wir über St.Andrä nach Klosterneuburg, weil wir mit der Rollfähre die Donau überqueren wollen. Birgit freut sich schon auf zu Hause, während ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge der Ankunft entgegensehe. Fünf Monate im Wagen leben, tun und lassen was man will, dauernd im Freien sein und nun wieder Haus und Garten und Alltag?

Die Fahrt über die Donau ist natürlich wieder ein Ereignis. Der Betreiber der Rollfähre, ein Slowake, lässt es sich nicht nehmen das Gespann extra – also ohne weitere Fahrzeuge – überzusetzen. Auf der Überfahrt stellt sich heraus, dass er bis zu seinem 12. Lebensjahr mit seinen Eltern in einem ähnlichen Wagen unterwegs war. Birgit ist inzwischen schon am gegenüberliegenden Ufer und macht tolle Fotos und ein Video.

P1110186 (3)

Die weitere Heimreise verläuft ruhig und wir beschließen noch eine kleine Pause in der Stammersdorfer Kellergasse zu machen. Nach einem „Broterl“ und einem Achterl geht es an den Endspurt. Mir wird immer mulmiger – wie wird die Umstellung, wie wird der Garten aussehen, was wird mich in der Schule wieder erwarten? Alles Fragen die mir durch den Kopf schwirren und dann biegen wir schon in die Feldgasse ein. Zwei, drei Mal hupen, eine Türe öffnet sich und Patricia winkt uns zu.

Ingrid, Patricia und Paul, die liebsten Nachbarn der Welt, haben unser Haus und den Garten zwei Monate lang bestens betreut. Die drei Monate vorher hat Birgit den „Laden geschupft“. Dafür bedanke ich mich bei euch allen aufs Herzlichste– ohne euch hätte ich die Reise wohl nicht so locker angehen können!

P1110212 (2)

Ingrid, Patricia und Paul sind gleich mit einer Flasche Sekt an Ort und Stelle und wir stoßen auf unsere heile Ankunft an. Auch Werner, ein weiterer Nachbar, kommt mit seinem Enkerl am Arm dazu.

Als ich das Haus und den Garten bestaune, fühle ich mich gleich wieder zu Hause. Eine schöne, aufregende, oft auch unangenehme, aber die meiste Zeit überwältigende, Reise ist vorerst zu Ende. Sie ist zu Ende, aber noch lange nicht vorbei, wie ich bei der anschließenden kleinen Feier bei den Nachbarn (und wie es der nächste Abend auch zeigen wird) bemerke. Es ist noch viel zu berichten, viele Fragen zu beantworten und vieles aufzuarbeiten. Ungefähr 5000 Fotos, ca. 3 Kilo Reiseprospekte, unzählige Visitenkarten, 5 Kilo Post, 7 Pakete und gefühlte 2 Tonnen Schmutzwäsche – Arbeit für Wochen!

Ein Gedanke zu „22.08.2014

  1. Georg

    Also, abwechslungsreicher hätte “man” sich den letzten Tag nicht vorstellen können! Die Aufmerksamkeit, die euch entgegengebracht wurde, kann sich sehen lassen; die NÖN werden von einer Vielzahl von Menschen gelesen, und es ist nur zu hoffen, dass der Beitrag samt Foto(s) recht informativ sein wird.
    Also, Inprugg-Abschied klingt auch sehr prominent und gebührend!
    Die Überfahrt mit der Rollfähre und das schöne Foto dazu sind das Tüpfelchen auf dem ‘i’. Wahrhaft “feuchtfröhlich”dann das nette Empfangskomittée: Wie du, lieber Wolf schon angedeutet hast, wurden neben den Kehlen auch die Augen feucht, weil Abschied genommen werden musste von einer wahrlich einzigartigen Reise, fröhlich, weil gut heimgekommen , und noch ein paar Tage wenigstens vor dem 01.09. zur Verfügung stehen, sich wieder einzuleben im vertrauten Zuhause, fröhlich auch über die sympathischen Nachbarn, die so lieb und gewissenhaft über zwei Monate Haus und Garten betreut hatten.
    Ein ‘Clown’ ist ein Artist, dessen primäre Kunst es ist, Menschen zum Lachen zu bringen. Der Begriff Clown kommt von engl. „Tölpel“ (und damit entweder von lat. colonus für „Bauerntölpel“ oder von altnordisch klunni in der gleichen Bedeutung) 1).
    Nun, ‚Bauerntölpel‘ bist du wahrlich nicht, ‚Artist‘ hingegen in vielfacher Weise!

    Lieber Wolf, liebe Birgit!
    Buddha sagte weise, „Nicht das Beginnen wird belohnt, sondern einzig und allein das Durchhalten“ . 2)– Das habt ihr, lieber Wolf und du liebe Birgit, in bewundernswerter und konsequenter Manier mit Erfolg „durchgehalten“. Ihr habt nicht einmal die Möglichkeit genützt, bei uns am Lärchberg im Haus zu schlafen! – Das bedeutet gelebte Konsequenz.
    Wolf, du bist sozusagen als dein eigener „Schrittmacher“ ins „Rennen“ gegangen mit dem Gespann ‚Goliath‘ (Traktor) und ‚David‘ (Zirkuswagen mit Wohn- u. Übernachtungsfunktion), das kurz vor der Abreise von Birgit und Robert ‚getauft‘ worden war,über eine beachtliche Distanz, in Krems erstmals, zur endgültigen Verabschiedung ins Unbekannte, von Birgit kontaktiert, kurz begleitet von ihr in der Karwoche im Umfeld Ulm und zu Pfingsten in Paris, bis sie zu Schulschluss ganz zu dir aufschließen konnte, und ihr ab Lyon gemeinsam fast zwei Monate durch viele schöne Landschaften, interessante Orte oder Städte, – sogar der „Formel 1–Tunnel“ in Monaco wurde „durchtuckert“- , in „gemütlichem“ Tempo bis zurück nach Österreich „geschnurrt“ seid; dabei habt ihr euch wunderbar ergänzt.
    Als ‚Künstler‘ hast du dich, lieber Wolf, gleich in mehreren Sparten bewährt: Als ‚Clown‘ gehörst du von Hause aus zur ‘Darstellenden Kunst’, im Rahmen der ‘Angewandten’ erzeugst du deine Keramiken z.B., baust Zirkuswagenund in der ‘Bildenden’ widmest du dich den visuell gestaltenden Künsten und im Bereich der ‘Musik’ bedienst du bereits virtuos den Dudelsack, das eine oder andere Mal begleitet von Birgit auf der Blockflöte; eure „Darbietung“ bei uns am Lärchberg war sehr berührend.
    Die letzten Etappen waren wettermäßig eher begünstigt, sogar in der „sengenden“ Sonne am Bisamberg konntet ihr an der sonst von kaltem Wind begleitet gewesenen letzten Etappe, die euch die angenehme Wärme genießen ließ. Diesbezüglich waren wir ja alle nicht wirklich verwöhnt…
    Ich gratuliere dir, Wolf, zu dem bravourös gemeisterten ersten, längeren, Teil und euch Beiden zur Absolvierung des zweiten Teils der Fahrt, wie der erste bis auf kleinere Havarien (Anhänger-Stützrad, gröber:Lichtmaschine) unfallfrei verlaufenen Fahrt, die euch sicher Erlebnisse vermittelt hat, die in eurem gesamten weiteren Leben im Gedächtnis bleiben werden! Jetzt gilt es sicher auch die Fotos “aufzuarbeiten.

    Nun bleibt mir nur noch, euch guten Start ins neue Schuljahr zu wünschen!
    In großer Bewunderung,
    Georg vlg. Surely
    1) Aus: de.wikipedia.org/wiki/Clown
    2)Buddha, in:Glogowski, Dieter: DER ACHTSAME PFAD, 365 buddhistische Weisheiten, 24. August. Kalender – zeitlos. Frederking &Thaler, München 2014.

Hinterlasse eine Antwort